Vermögende Bürger und Adelige bewahrten ihre Kostbarkeiten, kleinen Sammlungen,
wichtige Dokumente und schließlich ihre Schreibutensilien in Kabinettschränken
auf. Auch die Notthafft-Ausstellung des Egerland-Museums Marktredwitz kann ein
derartiges wertvolles Exemplar präsentieren (Katalog-Nummer 5.2).
Ursprünglich handelte sich bei einem „Kabinett“ um das Privatgemach eines
Fürsten, in dem vertrauliche Gespräche stattfanden und in dem gleichzeitig auch
Kunstwerke, verschiedenartige Sammlungen oder Kuriositäten aufbewahrt wurden.
Spontan muss man dabei an das sogenannte „Grüne Gewölbe“ August des Starken in
Dresden denken, das vor kurzem in neuem Glanz wieder geöffnet wurde.
Ab dem ausgehenden 16. Jahrhundert wird die Bezeichnung „Kabinett“ auch auf die
in diesem Raum stehenden Schränke übertragen. Dementsprechend wird bei dieser
Möbelgattung zwischen Kunst-, Münz- oder Naturalienkabinett unterschieden. Im
Verlauf des 17. Jahrhunderts halten prunkvolle Kabinettschränke als Zeichen des
Wohlstands ihren Einzug in Schlösser und Bürgerhäuser. Frühe Exemplare bestehen
wie in diesem Fall aus einem tischartigen Unterbau mit gedrechselten Beinen und
einem kastenförmigen Schrankaufsatz, der durch eine Doppeltür verschließbar
ist. Zur Verwahrung kleinformatiger Kleinodien und Raritäten befinden sich im
Inneren des Kabinettschranks etliche Schubladen, die sich um ein weiteres
verschließbares Fach gruppieren. Wiederum hinter diesem sind Geheimfächer
angebracht. Alle Schübe sind mit originalem Marmor- bzw. Buntpapier
ausgekleidet. Dieses Möbelstück aus massivem Eichenholz (Höhe 150 cm, Breite 80
cm, Tiefe 43,5 cm) wird in der Familie Notthafft als „Rundingschrank“
bezeichnet, wohl nach dem mündlich überlieferten Standort Schloß Runding im
heutigen Landkreis Cham. Heute ist von diesem Bauwerk nur noch eine Ruine
erhalten.
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